erste sätze

1. Welches Buch hätten Sie gern selbst geschrieben?

Cesare Pavese: »Junger Mond«. Weil’s ein wunderbares Buch ist.

2. Welches Buch nimmt bei Ihnen unnötig Platz weg, ist aber immer noch da?

Na ja, ich weiß nicht ... ein Lexikon? Ich hab noch ein Taschenbuchlexikon, aber andererseits ist es auch schön, noch eines zu haben. Sonst noch irgendwelche komischen Reiseführer von Orten, an die ich nie mehr hinfahren werde. Ich hab so große Mühe Bücher wegzuschmeißen.

3. Wann sind sie mit einem Buch zufrieden?

Das ist komisch, das ist weniger eine Frage der Zufriedenheit. Das ist eher so, als würde das Buch sich von mir trennen. Je länger ich daran arbeite, desto mehr verschließt es sich und irgendwann gibt’s einen Punkt, an dem man nichts mehr dran ändern kann. Dann ist es fertig, ob’s nun gut oder schlecht geworden ist.

4. Sind Sie schon einmal einem Buchinhalt nachgereist?

Darüber haben wir gerade gestern gesprochen, lustig ... Und nach langem Hin und Her haben wir uns dann darauf geeinigt, also ich und ... ich weiß gar nicht mehr, wer ... dass man oft, wenn man über einen Ort liest, gar nicht mehr unbedingt dahin fahren will, weil das dann oft auch eine Enttäuschung ist. Ich hab zum Beispiel als Kind »Der Kurier des Zaren« von Jules Verne gelesen und fand’s ganz, ganz spannend. Und als ich dann in Sibirien war, dachte ich: Na ja, eigentlich hätte ich nicht hier her kommen sollen. Es war schon eine tolle Reise, aber letztlich war das Sibirien von Jules Verne viel aufregender als das, was ich dort gesehen habe.

5. Wer oder was verführt Sie zu Büchern?

Die Bücher selbst, würde ich sagen. Es gibt schon auch Autoren, die man trifft und die einem so gut gefallen, dass man sich sagt: Von dem würde ich gern mal ein Buch lesen. Aber es kann dann auch sein, dass das Buch einem nicht gewachsen ist oder umgekehrt: Dass der Mensch einem unsympathisch ist und das Buch trotzdem schön.
Wir haben »Blitzeis« und »An einem Tag wie diesem« von Peter Stamm rezensiert.

Foto: Sophie Kandaouroff
erste sätze

1. Welches Buch hätten Sie selbst gern geschrieben?

Eine schwierige Frage, denn ich liebe sehr viele Bücher ganz verschiedener Gattungen. In der Belletristik wäre es, denke ich, »Moby Dick«. Ich liebe das Ausschweifende, das Schreiben über das Meer und die mythische Tiefe dieses Romans. Es ist für mich immer noch der beste Roman in englischer Sprache.

2. Welches Buch nimmt bei Ihnen unnötig Platz weg, ist aber immer noch da?

Ich glaube nicht, dass irgendein Buch Platz verbraucht, dessen Verlust mir etwas ausmachen würde. Im Grunde sind Bücher ja sehr kompakte Objekte, wenn man bedenkt, wie viel sie enthalten. Eigentlich schmeiße ich sogar ständig Sachen raus, um Platz für weitere Bücher zu schaffen – und doch wird es nie genug Platz sein.

3. Wann sind sie mit einem Buch zufrieden?

Wenn ich mich am Ende fühle, als ob ich vor einer offenen Tür stünde, am Ende eines Bootssteges während mir der Wind ins Gesicht bläst; oder wenn ich fühle, dass jetzt, jede Minute, eine Fähre kommt und ich an Bord gehe und irgendwohin reise.

4. Sind Sie schon einmal einem Buchinhalt nachgereist?

Ich habe einige der Ereignisse in meinem Büchern durchlebt - so wie ein Schauspieler manchmal tut, was sein Charakter tut, teilweise sogar sehr lange, um in eine Erfahrung hinein zu kommen, die ich beschreiben möchte. Ich denke mir eine Geschichte oder ein Gedicht nicht als ein Ding, sondern als Ausdruck, falls das Sinn ergibt.

5. Wer oder was verführt Sie zu Büchern?

Neugier. Wie ist es, jemand anderer zu sein? Die bevorstehende Reihe anderer Formulierungen als die, die ich mir angewöhnt habe. Das und eine Art Expedition in das Staunen hinein.
Wir haben »Die Spur des Teufels« von John Burnside rezensiert.

Foto: picture alliance/dpa