5 Fragen an Inger-Maria Mahlke

1. Welches Buch hätten Sie selbst gern geschrieben?

»Das Treibhaus« von Wolfgang Koeppen.

2. Welches Buch nimmt bei Ihnen unnötig Platz weg, ist aber immer noch da?

»Effi Briest« von Fontane. Genaugenommen alles von Fontane. Ebenso von Thomas Mann.

3. Wann sind Sie mit einem Buch zufrieden?

Wenn ich einen Monat nach dem Lesen noch darüber nachdenke.

4. Sind Sie schon einmal einem Buchinhalt nachgereist?

Nein. Das geht auch gar nicht. Eine Stadt in einem literarischen Text ist kein Ort, sondern ein Raum im Kopf des Autors. (*)

5. Wer oder was verführt Sie zu Büchern?

Unangenehmerweise: Häufig Essays, Artikel, Berichte über die Leben ihrer Autoren.

(*) Ich bin allerdings vor einigen Jahren einem Augenzeugenbericht in Buchform hinterher gereist. Ich wollte unbedingt das Hotel Polski in Warschau finden bzw. was davon nach dem 2. Weltkrieg noch übrig war. Als ich ankam, stellte ich fest, dass das Hotel Polski ganz in der Nähe unserer Unterkunft sein musste. In derselben Straße. Habe also meinen damaligen Freund zwei Tage lang diese Straße hoch und runter gejagt. Habe jeden gefragt, die Frau in der Touristeninformation wahnsinnig gemacht, den Augenzeugenbericht nochmal und nochmal gelesen, versucht anhand der Beschreibungen der Aussichten aus den Fenstern den Standort des Hotels festzumachen. Schließlich aufgegeben, übelgelaunt in unserer Unterkunft auf dem Bett herumgelegen. Und irgendwann dann endlich kapiert: Ich lag drin. Im Hotel Polski. Das Gebäude war saniert worden, viele Spuren waren nicht sichtbar. Am übernächsten Tag hat mein damaliger Freund dann auch wieder mit mir geredet.


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