Peter Stamm: »An einem Tag wie diesem«

Andreas liebte die Leere des Morgens, wenn er am Fenster stand, eine Tasse Kaffee in der einen, eine Zigarette in der anderen Hand, und auf den Hof hinausschaute, den kleinen, aufgeräumten Hinterhof, und an nichts dachte als an das, was er sah.

Andreas ist Lehrer, eigentlich Schweizer, aber seit 18 Jahren wohnhaft in Paris. Dort geht alles seinen gewohnten Gang, man erfährt eigentlich kaum etwas über den Protagonisten, er wirkt leicht beliebig. Nach und nach erfährt man das ein oder andere Detail, man lernt verschiedene Frauenfiguren, die größere oder kleinere Rollen im Leben des Protagonisten spielen, kennen.
Darüber hinaus begibt sich Andreas auf eine Reise in sein altes Heimatdorf, in seine Vergangenheit. Man könnte pathetisch sagen: um mit ihr abzuschließen, um in der Gegenwart anzukommen.

Er küsste sie. Sie sagte, der Ort deprimiere sie jetzt schon, sie wisse nicht weshalb.

Keine großartige Handlung, und auch die Sprache ist nicht sonderlich exaltiert, sie gleitet unaufgeregt dahin wie ein Segelboot bei leichter Brise. Und das ist es vielleicht, was mich dem Buch trotzdem etwas abgewinnen lässt; dass die Sprache dahingleitet, manchmal lakonisch, dass sie sanft die sommerlichen, teils leicht melancholischen, Begebenheiten umstreicht, so dass am Ende doch irgendwie ein Gewinn für den Leser entsteht, und sei es nur die Erkenntnis, dass man sein Leben nicht so gleichgültig passieren lassen will wie es der Protagonist tut.

Er nahm die Kassette aus dem Gerät. Er stieg aus und ging zu dem kleinen Toilettenhäuschen, um sich das Gesicht zu waschen. Die Kassette warf er in eine Mülltonne, auf der in vier Sprachen Danke stand.

Kein Buch, das ich sofort weiterempfehlen würde, aber ein Buch, das man ohne weiteres gelesen haben kann, vielleicht an einem heißen Sommertag, an dem man sonst nicht viel zu tun hat. Darüber hinaus jedoch erschöpft sich sein Wert alsbald.

An einem Tag wie diesem
von Peter Stamm

208 Seiten, € 7,95

ISBN 978-3596173839
erschienen bei Fischer

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