Robin Gold: »Die Liste der vergessenen Wünsche«

Clara betrachtete mit großen Augen die rechteckige, in Geschenkpapier eingepackte Schachtel in ihren Händen und lächelte von einem Ohr bis zum anderen.

Clara ist am Boden zerstört: Sebastian, ihr Verlobter, kommt kurz vor der Hochzeit durch einen Autounfall ums Leben. Für Clara bricht damit eine Welt zusammen, sie lässt ihren Job schleifen und igelt sich ein in Lethargie und Antriebslosigkeit. Als sie später ihre Mutter besucht, wartet dort ein Päckchen auf sie. Mit zehn Jahren hat sie damals eine Liste angelegt mit Dingen, die sie bis zu ihrem 35. Geburtstag erledigt und erlebt haben will. Durch gutes Zureden ihres Bruders macht sich Clara daran, diese Liste nun abzuarbeiten, um sich dadurch vom Verlust ihres Verlobten abzulenken und auf diesem Weg mit der lähmenden Trauer zurechtzukommen.

Die Idee ist nicht neu, aber das Rad muss schließlich auch nicht immer neu erfunden werden. Quasi jedes Buch ist voll von immer wiederkehrenden Motiven, von aufgebrühten Ideen und recycelten Gedanken. Es kommt eben immer darauf an, was man daraus macht.

Die amerikanische Autorin Robin Gold hat daraus eine schnulzige Liebesgeschichte gemacht, die ihresgleichen sucht. Der Plot an sich ist beeindruckend flach und so furchtbar konstruiert, dass das Weiterlesen schon sehr bald für jeden, der auch nur ein wenig Wert auf Logik legt, zur Tortur wird. Eine schlüssige Dramaturgie sucht man vergebens; vieles, so kommt es einem vor, wird nur der Geschichte wegen in die Handlung eingestreut. Was fehlt, ist eine klare Linie. Was außerdem fehlt, sind glaubwürdige Dialoge.
Noch schlimmer als der hölzerne Versuch, eine möglichst realistische Handlung aufzubauen, ist jedoch das vertretene Personal. Besonders die Männer, die hier ihren Auftritt haben, sind der Inbegriff an Klischeehaftigkeit: Gutaussehend, erfolgreich, finanziell abgesichert und natürlich auch unheimlich smart und einfühlsam, in jeder Situation und unter allen Umständen. Clara selbst ist die personifizierte Langeweile: Nie auf den Mund gefallen, von jedem umhegt und umschwärmt; ein farbloses Mäuschen, das aus jeder Situation das Beste macht und definitiv mehr Glück hat, als ihr zusteht.

Natürlich gibt es ein Happy End (Überraschung!). Natürlich kann Clara ihre Liste rechtzeitig abarbeiten (noch mal Überraschung!), natürlich findet sie am Ende doch noch die große Liebe (damit hätte jetzt auch niemand mehr gerechnet, hm?). Bis es allerdings so weit ist, ist es für den Leser ein weiter Weg durch kantenlose Abziehbildchen von Figuren, haarsträubende Handlungsstränge und sprachliches Ödland. Hollywood wäre begeistert.

Die Liste der vergessenen Wünsche
von Robin Gold

übersetzt von Carolin Müller

352 Seiten, € 14,99

ISBN 9783764504847
erschienen bei Blanvalet

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