Gavin Extence: »Das unerhörte Leben des Alex Woods«

Sie griffen mich in Dover auf, als ich wieder einreisen wollte. Ich hatte schon damit gerechnet, aber trotzdem war es ein Schock, als die Schranke unten blieb.

Gavin Extences Erstlingswerk handelt von dem sympathischen Außenseiter Alex Woods. Statistisch gesehen ist das, was Alex Woods zustoßen sollte und sein Leben aus der Bahn warf, beinahe unmöglich: Er wurde von einem Meteoriten getroffen. Dieser schlug mit großem Lärm und Schaden durch den Dachstuhl und traf Alex direkt am Kopf, der daraufhin wie eine Eierschale zerbrach. Es ist ein Wunder, dass er den Einschlag des Meteoriten überhaupt überlebte. Zurück blieben eine große Narbe und epileptische Anfälle, die sich erst einstellten, als die Wunden an seinem Kopf schon verheilt waren.
Die Anfälle lernte Alex durch eine Art Meditation zu bekämpfen: Mentales Training und ein sehr geregelter Tagesablauf waren sein Schlüssel dafür, wieder ein normales Leben zu führen; doch was heißt schon »normal«. Die lange Krankheit sowie seine ruhige und analytische Weltsicht machten ihn zum perfekten Außenseiter. Die Tatsache, dass seine Mutter im Städtchen ein Geschäft für Wahrsagerei betreibt und als »Hexe« gilt, tat ihr übriges dazu. Alex hat keine gleichaltrigen Freunde und tauscht sich lange Zeit nur mit seinem Neurologen Dr. Weir freundschaftlich aus.

Durch einen Zufall lernt Alex den alten zurückgezogen lebenden Mr. Peterson kennen. Seit dem Vietnamkrieg hinkt Peterson und scheint nichts mehr vom Leben zu erwarten außer seinen Tod. Alex Woods und Peterson sind ein denkbar ungleiches Paar und freunden sich doch nach und nach an. Die Freundschaft zwischen beiden wird allerdings auf eine harte Probe gestellt, als bei Peterson eine unheilbare Gehirnerkrankung festgestellt wird. Peterson will in Würde sterben und beschließt sich umzubringen. Der erste Versuch misslingt, beim zweiten wird ihm Alex helfen.

Und das ist der Plot. Lesenswert macht das Buch die leise Ironie und die Situationen, in denen das altkluge Kind der Welt den Spiegel vor die Nase hält. Auch die Konstellation zwischen dem alten Peterson, der unausweichlich sterben wird, und dem jungen Woods, der eine Lektion über den Tod und das Sterben erhält, ist gelungen.

Leider wirkt das Buch an vielen Stellen aber konstruiert. Es gibt wenig Überraschungen und so zieht such die Handlung zäh dahin. Alex ist ein kleiner Heiliger, der arglos in die Welt blickt. Doch das Gutmenschengeschwafel ist dann doch irgendwann zu viel und man kommt an einen Punkt, an dem man nur noch gelangweilt mit den Augen rollt. Eine zentrale Triebfeder für das Schreiben bei Gavin Extence ist sein großes Vorbild Kurt Vonnegut, den er mehrmals zitiert und sogar in Form eines Kurt-Vonnegut-Leseclubs in die Handlung einbaut. Natürlich heißt auch der Hund Petersons – wer hätte es gedacht – Kurt …
Als Jugendbuch oder Coming-Of-Age-Roman ist »Das unerhörte Leben des Alex Woods&laruo; durchaus zu empfehlen und auch Gavin Extence wünscht man, dass er erwachsen wird und sich seinen durchaus interessanten Themen nicht nur durch die rosarote Hollywood-Brille nähert. Geschmack für gute Literatur hat er nämlich!

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Das unerhörte Leben des Alex Woods
von Gavin Extence

übersetzt von Alexandra Ernst

477 Seiten, € 19,99
(broschiert / kartoniert)

ISBN 978-3809026334
erschienen bei Limes Verlag

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Ein Kommentar zu “Das unerhörte Leben des Alex Woods”

  1. Die Rezensionen zu diesem Buch waren ja alle etwas durchwachsen. Hab es auch schon in der Hand gehabt. „Gutmenschengeschwafel“ ist natürlich schon ein deutliches Urteil. Da bin ich froh, dass ich es mir erstmal nicht besorgt habe.

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