David Safier: »Mieses Karma«

Der Tag, an dem ich starb, hat nicht wirklich Spaß gemacht. Und das lag nicht nur an meinem Tod. Um genau zu sein: Der schaffte es gerade so mit Ach und Krach auf Platz sechs der miesesten Momente des Tages.

Kim Lange ist erfolgreiche Fernsehmoderatorin, hat eine bezaubernde, kleine Tochter, einen liebevollen, gut aussehenden Ehemann und ist Gewinnerin des Deutschen Fernsehpreises.
Kim Lange ist erfolgreiche Fernsehmoderatorin, die sich ihren Job mit allerlei Intrigen und Bösartigkeiten beschafft hat; sie hat eine bezaubernde, kleine Tochter, für die sie kaum Zeit hat und deren Geburtstagsfeier sie sausen lässt, weil sie lieber zu einer Preisverleihung geht; sie hat einen liebevollen, gut aussehenden Ehemann, mit dem sie eine Ehe führt, die am Ende ist, und den sie mit dem charmanten Moderator Daniel Kohn betrügt; und sie ist Gewinnerin des Deutschen Fernsehpreises, der ihr nun leider nichts mehr nützt, da sie von den Überresten einer russischen Raumstation erschlagen wurde.
Keine guten Voraussetzungen, wenn man bedenkt, dass nur gute Menschen ins Nirwana gehen dürfen. Fortan fristet Kim also ihr Leben auf Erden als Ameise, um gutes Karma zu sammeln und auf diese Weise nach jedem ihrer Tode als immer »höheres« Wesen wiedergeboren zu werden und es irgendwann auch ins Nirwana zu schaffen.

Zu Beginn dieses Romans war ich wahrlich nicht begeistert von dem was ich zu lesen bekam: eine mehr als simple Ausdrucksweise, ähnlich der eines Kinderbuches; null Spannung und eine nicht allzu interessante Geschichte. Auch der Versuch, in jeden zweiten Satz eine witzige Bemerkung oder einen schlagfertigen Spruch einzubauen, ist nicht sonderlich gelungen. Es sind einfach zu viele Witze am Rande, die meistens leider nicht sehr komisch sind. Allenfalls konnte ich mir ein verhaltenes Grinsen abringen.
Je mehr ich jedoch las, je weiter ich voran kam, desto besser wurde es auch. Ich fühlte plötzlich mit den Charakteren mit und fragte mich voller Spannung, wie diese oder jene Situation wohl ausgehen würde. Ich hoffte und ich bangte, dass die Geschichte doch noch ihr gutes Ende nehmen würde. Bei zu vielen Romanen wird man leider enttäuscht, was das gute Ende betrifft. Bei diesem wurden meine Wünsche erfüllt. Natürlich ist es nicht in erster Linie die Aufgabe eines Romans, den Leser zufrieden zu stellen. Dennoch freue ich mich immer wieder über einen Ausgang nach meinen Vorstellungen, so unrealistisch dieser auch sein mag.
David Safiers Humor erzielt, je weiter die Story voranschreitet, dann doch noch den gewünschten Effekt: nämlich den ein oder anderen lauten, herzhaften Lacher.
Eine sehr schöne Idee ist auch, die Erinnerungen Casanovas (dem ebenfalls reinkarnierten Begleiter Kims), in Form von Fußnoten, festzuhalten:

Und ich dachte bei mir: „Schon wieder muss ich sterben, weil ein Mensch nicht angemessen auf seine Schritte achtet.“

Das Thema der Wiedergeburt ist sehr anschaulich dargestellt. Mit einigen Bemerkungen am Rande macht uns dieses Buch auf die allgegenwärtige Arroganz der Menschen gegenüber anderem Leben aufmerksam und mahnt uns, Respekt zu haben. Darüber hinaus geht es um die Möglichkeiten und den Ablauf solcher Reinkarnationen, von denen, nebenbei bemerkt, einige Varianten sehr interessant sind und die ich mir auf diese Art und Weise selbst noch nicht ausgemalt habe. Dem Leser wird, sehr clever, gezeigt, wie es einem ergehen kann, wenn man sich zeitlebens eher um persönlichen Erfolg, denn um das Wohlergehen geliebter Menschen kümmert.
Zusammenfassend haben wir hier eine Geschichte vor uns, die ein anspruchsvolles Thema in eine nicht sehr anspruchsvolle, aber interessante, spritzige und vor allem charmante Story einbettet, aus der ein Jeder noch etwas lernen kann.

Mieses Karma
von David Safier

288 Seiten, € 8,99

ISBN 978-3499244551
erschienen bei Rowohlt

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2 Kommentare zu “Mieses Karma”

  1. Vielleicht sollte ich, bevor ich Safiers Dreh ins Ernste „28 Tage“ (da geht es ja auch um das Anhäufen von gutem/schlechtem Karma) lese, mir doch mal „Mieses Karma“ zufügen. Was er so dazwischen ge“MUH!“t hat, sprach mich nicht so an.

  2. „Mieses Karma“ war das erste Buch von David Safier, welches ich in die Finger bekam und danach habe ich mich bemüht jedes weitere auch zügig zu bekommen. Nur mit „Muh“ ist mir das noch nicht gelungen.

    Mir gefällt es sehr, wie er in durch und durch lustigen und amüsanten Büchern eine wichtige Angelegenheit unterbringt und am Ende hat man sich nicht nur sehr gut unterhalten gefühlt, sondern auch noch etwas über sich und für sein Leben gelernt.

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